Freizeit während der Reha

Die Reha bietet nicht nur die Möglichkeit, an der körperlichen und seelischen Fitness zu arbeiten. Es gibt hier auch Phasen der Freizeit und darüber lohnt es sich, sich im Vorfeld ein paar Gedanken zu machen.

Unter der Woche arbeitet man gewissenhaft seinen Terminplan ab und teilweise ist man damit gut beschäftigt. Es kann zwischen den Anwendungen aber immer wieder zu Pausen und Freistunden kommen. Manche Pausen sind vielleicht zu kurz und es bleibt deshalb keine Zeit für einen Spaziergang. Gut möglich ist auch, dass einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Da bietet es sich an, sich abseits des TV-Programms mit etwas zu beschäftigen, an dem man Freude hat.

Hier eine unvollständige Aufzählung an möglichen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten:

  • Manchmal bietet ein gemütlicher Aufenthaltsraum in der Rehaklinik einen gemeinsamen Treffpunkt mit anderen Patienten. Egal ob drinnen oder draußen in der Sonne. Dort kann man interessante Menschen treffen und bei einer Tasse Kaffee lässt es sich hervorragend miteinander sprechen und lachen. Meiner Erfahrung nach kommt man schon während der Gruppensport-Termine mit netten Menschen schnell ins Gespräch und man kennt sich schon ein bisschen. Die örtlichen Aufenthaltsräume oder der Speisesaal bieten eine hervorragende Möglichkeit andere noch besser kennen zu lernen und auf gute Weise die langen Wochenenden ohne Termine zu nutzen. Denn nicht jeder hat die Möglichkeit für lange Spaziergänge oder Ausflüge.
  • In manchen Aufenthaltsräumen liegen Gesellschaftsspiele aus. Neulich habe ich am schwarzen Brett eine Notiz gelesen, dass ein Herr begeisterter Kartenspieler ist und Gleichgesinnte sucht. Wer gern Gesellschaftsspiele oder Karten spielt könnte evtl. daran denken, ein Kartenspiel mit in den Reha-Koffer zu packen. Vielleicht ergibt sich ein geselliger Spiele-Nachmittag.
  • Ich habe hier aber auch schon erlebt, dass viele Patientinnen ihr Häkel- oder Strickzeug in den Aufenthaltsraum mitgenommen haben – in einer geselligen Runde lässt es sich gerade am Wochenende gut handwerken. Wenn die Chemie unter den Patienten stimmt, kann man so viel Freizeit lachend überbrücken und vielleicht auch noch den Schal oder das Pärchen Socken fertig bekommen, dass man schon lange fertigstellen wollte.
  • Das gute alte Buch. Egal ob man auf die gedruckte Ausgabe bevorzugt oder die komplette Bibliothek in digitaler Form auf dem eReader dabei hat – es lohnt sich eigentlich immer, Freizeit mit einem guten Buch zu verbringen. Vergiss aber nicht, dein Ladegerät für deinen eReader einzupacken!
  • Wenn wir schon beim eReader sind, ist der Sprung zum Tablet (und Laptop) nicht weit. Wer gern im Internet surft, Serien streamt oder einfach gern auf dem Laufenden sein möchte, kann sich im Vorfeld erkundigen, ob die Rehaklinik WLAN anbietet. Viele Patienten, die ich hier getroffen habe, haben ein Tablet dabei. Das bietet den Vorteil, dass man über Video-Telefonie mit den Liebsten sprechen oder abends noch eine Episode der Lieblingsserie streamen kann.
  • Wer gern Zeitung liest, kann vorher nachfragen, ob man sie in der Klinik auch beziehen kann.
  • An den Wochenenden besteht oft die Möglichkeit, zu bestimmten Zeiten das Fitnessstudio oder Hallenbad außerhalb der Anwendungen zu nutzen. Einfach bei den Trainern nachfragen.
  • Kunst. Du wolltest schon lange deinen Aquarellkasten aus der Schublade herausnehmen und dir Zeit für etwas Kunst nehmen? In der Reha bietet sich oft ein kleines Zeitfenster, um kreativ sein zu können. Nimm deine Stifte mit und arbeite an deinen Ausmalbüchern für Erwachsene weiter. Hast du ein Buch zum Thema Zentangle? Perfekt! Nimm‘ das Buch, deinen Block und das Mäppchen mit deinen Stiften mit! Und wer bisher noch nicht mit Stift und Pinsel kreativ war, der kann sich ruhig einen Ruck geben! Zum Doodeln, Tangeln und Skizzieren muss man nicht geboren sein! Ich nutze meine Reha, um mich ein bisschen auszuprobieren: Aquarellfarben, Papier und Fineliner waren ganz oben auf meiner „Packliste“. Hier habe ich ja etwas Zeit und viel Ruhe dazu.
  • Schreiben und Lernen. Wer gern schreibt oder etwas lernen möchte, könnte daran denken, ein Notizbuch, den Lieblingsstift und ggf. passende Fachliteratur einzupacken. Gerade an verregneten Wochenenden an denen man sich eher etwas zurückziehen und alleinsein möchte, sind alle Utensilien für ein eigenes kleines Studium Goldwert.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass es Patienten gibt, die viel mehr Erfahrung in ihrem Leben gesammelt haben als ich, aber ich möchte anderen von meinen Eindrücken erzählen. Wer weiß? Vielleicht hilft das dem ein oder anderen Leser. Gerade wer zum ersten Mal zur Reha geht stellt sich vielleicht die Frage, wie er freie Zeit sinnvoll nutzen kann.

Abhängig von den gesundheitlichen Umständen ist natürlich auch die Freizeitgestaltung bzw. der Schwerpunkt der Reha. Ich möchte anderen Mut machen, die Zeit bestmöglich für sich selbst zu nutzen. Das gibt Kraft für kommende (Onko-)Termine, für einen selbst oder auch für die Familie.

Während meiner AHB 2021 habe ich meinen Schwerpunkt auf den Aufbau von Kraft und Ausdauer gelegt. Darüber hinaus war mir die körperliche Regeneration nach Chemo- und Bestrahlung wichtig. Mir kam die AHB auch entgegen, weil mein Mann und ich während der Chemo sozusagen im persönlichen Dauer-Lockdown waren. Ich fand es klasse, neue Sozialkontakte knüpfen zu können und ich hatte wirklich Glück ein paar ganz tolle Frauen kennenlernen zu dürfen! Das half mir auch seelisch.

Meine jetzige Reha hat den Schwerpunkt, den seelischen Anteil etwas mehr Beachtung zu schenken. Körperlich fühle ich mich besser als vor einem Jahr. Ich nutze die Zeit auch, um mit mir allein zu sein. Einfach mal die Gedanken schweifen lassen und sich nicht mit Alltagsthemen zuschütten. Hier entkommt man der Einsamkeit nicht so leicht und nach anfänglichen Schwierigkeiten genieße ich es nun, die Zeit nur für mich zu nutzen. Die Reha hilft mir, Kräfte zu tanken und mich neu zu fokussieren.

Ich sende allen, die das hier lesen herzliche Grüße und ganz viel Gesundheit.

Lieben Gruß,
Maddi

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